Turnfest 1861

Das erste Deutsche Turnfest findet 1860 in Coburg statt. Bereits im Folgejahr wird in Berlin das II. Allgemeine Deutsche Turnfest ausgerichtet und gleichzeitig das 50-jährige Jubiläum der Gründung des Turnplatzes in der Hasenheide begangen. 4.000 Teilnehmer zählt das Fest, darunter 1.200 Turner und 1.000 Schüler aus Berlin, Frauen sind damals noch nicht zugelassen. Der Festzug, die Freiübungen und das Schauturnen an den Geräten auf dem Turnplatz in Moabit begeistern nicht nur das Publikum. „…nie ist ein solches Fest gefeiert worden, seit Griechenland unterging“ schreibt die Nationalzeitung.
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Der Vorsitzende des „Berliner Turnraths“, E. Angerstein (1830- 1896) hatte am 18.2.1661 unter dem Motto „Der deutschen Turnerei, dem deutschen Vaterlande Heil, gut Heil“ zum „2. allgemeinen deutschen Turn- und Jubelfest“ in die preußische Hauptstadt eingeladen. Königshaus und konservative Kräfte hegen anfänglich große Bedenken, ein Attentat auf den preußischen König in Baden-Baden (14.7.1861) wirkt nach. Aufgrund der großen Zahl der Anmeldungen aus dem In- und Ausland stimmt die preußische Regierung dem Turnfest in Berlin letztlich zu.

Das Mitführen von schwarz-rot-goldenen Fahnen – Symbol der deutschen Einheits- und Befreiungsbewegung - lehnt Wilhelm I. zunächst strikt ab, auf eine entsprechende Frage kurz vor dem Fest antwortet er jedoch: „Mögen Fahnen nehmen, welche sie wollen“. Zudem gibt er seine Genehmigung zur Grundsteinlegung „eines Denkmals der deutschen Turner“ für Friedrich Ludwig Jahn in der Hasenheide.

Die Grundsteinlegung für das Jahn-Denkmal wird am ersten Festtag zelebriert. Um 9:00 Uhr startet ein Festzug von der Albrechtstrasse in die Hasenheide. Begleitet von vielen Schaulustigen und einem Musikcorps marschieren Festteilnehmer, Vertreter der Regierung, des Magistrates und der Stadtverordnetenversammlung durch Girlanden geschmückte Straßen. In den Grundstein werden eine Metallkassette mit Jahnschriften, Urkunden, Münzen und Tageszeitungen eingemauert.

Am zweiten Festtag ziehen die Festteilnehmer gemeinsam die Straße „Unter den Linden" entlang durch das Brandenburger Tor zum städtischen Turnplatz in Moabit. Er ist kurzfristig hergerichtet worden, weil der königliche Turnplatz in der Hasenheide für das Turnfest nicht freigegeben worden war. Die Turner, angeführt von den Fahnenträgern, stürmen im Dauerlauf auf den Turnplatz, die Fahnenträger versammeln sich vor der Rednertribüne. Nach der Festrede von E. Angerstein folgen Freiübungen, die vom Berliner Oberturnwart H. Kluge vorgeturnt und dann von den 4000 Turnern nachgeturnt werden. Den Freiübun­gen folgt ein Schauturnen an den Geräten in 200 Vereinsriegen, das mit einem Kürturnen endet.

Wäh­rend des Festes wird ein Ausschuss gebil­det, der die Vorarbeiten für einen überregionalen Zusammenschluss der deutschen Turnvereine leisten soll. 1868 wird die Deutsche Turnerschaft (DT) dann als Dachverband gegründet. Die nach 1890 in großer Zahl entstehenden Arbeiterturnvereine gründen 1893 einen eigenen überregionalen Verband, den Arbeiter-Turnerbund, und führen in den Folgejahren auch eigene Turnfeste durch.